TCM-Gynäkologie
“Fu Ke” Frauenmedizin

TCM-Gynäkologie

Anwendungsgebiete:

1) Zyklusstörungen

  • Amenorrhö: Die Blutung bleibt über einen Zeitraum von mehreren Monaten vollständig aus.
  • Oligomenorrhö: Der Zyklus dauert über einen Zeitraum von mehr als 35 Tagen an.
  • Polymenorrhö: Der Zyklus ist auf weniger als 25 Tage verkürzt.
  • „Post-Pill-Syndrom“ (PPS):
    Das Post-Pill-Syndrom umfasst eine Reihe von Symptomen, die nach dem Absetzen der Pille bei manchen Frauen eintreten können.
    – Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung)
    – Stimmungsschwankungen
    – Akne
    – Haarausfall
    – PCOS (Polyzystisches Ovarial Syndrom)

Ursache aus schulmedizinischer Sicht:

  • Jahrelanges Eingreifen in den Menstruationszyklus, und somit die Unterbindung eines natürlichen physiologischen Prozesses durch die Einnahme von Hormonen, kann die Eizellreifung hemmen.
  • Wenn die Pille zur „Behandlung“ von bestimmten Symptomen eingenommen wurde, ist es durchaus möglich, dass die Symptome nach dem Absetzen der Pille wieder auftreten.

Therapie schulmedizinisch:

  • Endokrinologische Untersuchungen:
    – Hypothalamus
    – Hypophyse
    – Nebennieren
    – Schilddrüse
  • Therapie:
    – Bsp. Clomifen (Antiöstrogen) zur Heranreifung der Eizellen
    – Evtl. Substitution von Hormonen

Ursachen aus Sicht der TCM

Es kann sich um die folgenden Muster oder auch um gemischte Muster handeln

  • Mengenproblem
    – Zu wenig Jing (Essenz), Yin, Yang, Qi oder Blut
  • Dynamikproblem
    – Leber-Qi-Stagnation
  • Transformationsproblem
    – Akkumulation von Feuchtigkeit und Schleim
  • Temperaturproblem
    – Kälte

Therapie nach TCM:

Je nach individuellem Disharmoniemuster, welches aus der Analyse und der chinesischen Zungen- und Pulsdiagnose ermittelt wird, werden der Patientin

  • Substanzen zugefügt (Jing, Yin, Yang, Qi, Blut)
  • Qi und Blut in Bewegung gebracht
  • Feuchtigkeit ausgeleitet
  • Kälte zerstreut
    mit den bewährten Methoden der TCM
    – Akupunktur
    – TDP-Bestrahlung
    – Schröpfen, Tuina-Heilmassage
    – Moxa-Anwendungen
    – Ernährungsberatung, chinesische Diätetik

2) Blutungsstörungen

  • Hypermenorrhö:
    Die Regelblutung ist zu stark.
  • Hypomenorrhö:
    Die Regelblutung ist schwach und dauert nur kurz an.
  • Menorrhagie:
    Die Regelblutung ist stark und dauert übermäßig lange an.

3) Dysmenorrhö: Schmerzhafte Periodenblutung

Viele Frauen leiden kurz vor oder zu Beginn der Periodenblutung unter heftigen Schmerzen. Diese können variieren zwischen einem mehr oder minder starken ziehen im Unterleib bis zu krampf- oder kolikartigen Schmerzen. Oft strahlen die Schmerzen auch bis in den Rücken oder Oberschenkel aus und können mit Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall verbunden sein.
Fast jede Frau benötigt aus diesem Grund regelmäßig Analgetika.

Ursache aus Sicht der Schulmedizin:

  • Bei primärer Dysmenorrhoe:
    – vermutlich eine erhöhte Produktion von Prostaglandinen und Leukotrienen
    – psychische Belastungen: Angst, Stress
  • Bei sekundärer Dysmenorrhoe
    – entzündliche Prozesse an der Gebärmutter (Endometritis), den Eierstöcken (Salpingitis, Oophoritis) oder dem Darm (Appendizitis), Morbus Chron, Colitis Ulzerosa.
    Endometriose (sh. unten)
  • Myome
    – in jedem Fall sollte ein/e Gynäkologe/in die Ursache abklären!

Ursache aus Sicht der TCM

Aus Sicht der TCM kann es sich um folgende Muster handeln:

  • Leber-Qi-Stagnation
  • Qi- und/oder Blutschwäche
  • Qi- und/oder Blutstase
  • Feuchte Hitze im unteren Erwärmer
  • Nieren Yang Schwäche
  • Kälte / Hitze

Das individuelle Disharmoniemuster wird wie üblich mittels der TCM-Analyse sowie Zungen- und Pulsdiagnose ermittelt und lässt erkennen, ob es sich um ein Mengen-, Dynamik-, Transformations-, oder Temperaturproblem handelt.

Behandlung nach TCM

  • Akupunktur
  • Moxa, Schröpfen, TDP-Bestrahlung
  • Tuina-Heilmassage
  • Ernährungsberatung, chinesische Diätetik

4) Endometriose

Ursache aus schulmedizinischer Sicht

  • Verklebungen und Verwachsungen durch versprengtes Uterusgewebe an Eileiter, Eierstöcken, Gebärmutter und anderen Gebieten im Bauchraum.
  • Bedingt durch Verklebungen und Zysten an den Eierstöcken entstehen chronische Entzündungsreaktionen sowie Zyklusstörungen. Dadurch kann wird meist die Reifung der Eizellen gestört

Therapie schulmedizinisch

  • Goldstandart: Laparoskopie und operative Entfernung der Herde.

Ursachen aus Sicht der TCM

Aus Sicht der TCM handelt es sich bei der Endometriose um eine Blutstase.

Diese kann verursacht sein durch
– Qi- und Blutstagnation
– Kälte (verlangsamte Dynamik)
– Nieren-Leere
– Milz-Qi-Leere
– Nässe, Schleim, Blutmangel

Symptome

  • Schmerzen
    – Chronische Unterbauchschmerzen
    – Dysmenorrhoe -> schmerzhafte Regelblutung
    – Dyspareunie -> Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Blutungsstörungen
  • Sterilität

Es gilt bei der Anamnese zu differenzieren, ob es sich um ein Dynamikproblem, Mengenproblem oder Temperaturproblem handelt.
Therapieprinzip:

  • Handelt es sich um ein Dynamikproblem, so wird die Dynamik von Qi und Blut wieder hergestellt und Blutstase aufgelöst.
  • Bei einem Mengenproblem wird die Leere tonisiert (wieder aufgefüllt)
  • Bei einem Temperaturproblem wird Kälte zerstreut, gewärmt oder Hitze ausgeleitet

Die Behandlung erfolgt mit den bewährten Methoden der TCM

  • Akupunktur
  • Kräutermedizin
  • Moxa
  • Schröpfen
  •  Tuina

5) PCOS Polyzystisches Ovar-Syndrom

  • Von PCOS spricht man, wenn bei der Ultraschalluntersuchung mindestens 10 Eizellen lediglich eine Größe zwischen 12 und 8 mm aufweisen.
  • Die Follikel verharren im Anfangsstadium und reifen nicht mehr weiter, der Eisprung bleibt aus und der Zyklus ist verlängert oder die Blutung bleibt gänzlich aus.

Ursachen aus Sicht der Schulmedizin können hierfür sein

  • Metabolisch Insulinresistenz
  • Immunologisch Adipozyten produzieren proinflamatorische Zytokine
  • Endokrinologisch Veränderung der FSH- und LH-Rezeptoren an
    der Eizelle

Probleme die aufgrund von PCOS bei der Frau entstehen können

  • Infertilität (Unfruchtbarkeit)
  • Oligo- oder Amenorrhoe (seltene oder ausbleibende Regelblutung)
  • Adipositas (Übergewicht)
  • Hirsutismus / Virilismus (männliche Behaarung / erhöhte männliche Hormone)

Mögliche Ursachen für PCOS aus Sicht der TCM

  • Nierenschwäche und Akkumulation von Feuchtigkeit und/oder Schleim
  • Schwäche im Funktionskreis Milz / Magen
  • Nieren-Yang Schwäche
  • Leber-Qi-Stagnation und/oder Blutstagnation
  • Leber- oder Herz-Blutmangel

Therapie von PCOS mit TCM:

  • Unterstützung der Eizellreifung
  • Unterstützung der Ovulation
  • Verkürzung / Regulierung des Zyklus
  • Gewichtsreduktion
  • Verbesserung der Androgenisierungserscheinungen
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Verbesserung der Schwangerschaftschancen
  • Verminderung der Abortgefahr

Behandlungsstrategie nach TCM

Je nach individuellem Disharmoniemuster wird nach den Kriterien der TCM behandelt:

  • Akupunktur
  • Chinesische Phytomedizin
  • Moxa Anwendungen
  • Amo-Tuina-Heilmassagen
  • Schröpfen
  • Ernährungsberatung

6) Libidomangel: Vermindertes sexuelles Interesse

Ursachen aus schulmedizinischer Sicht

  • Emotionen wie Wut, Traurigkeit, Angst
  • Lebensumstände:
    – Hormonelle Schwierigkeiten
    – Stress, zu viel Arbeit
    – Beziehungsprobleme
    – Sexuelle Traumen
  • Konstitution und körperliche Erkrankung
    – Schwache Konstitution
    – Hypothyreose, Diabetes, Anämie, nervliche Erkrankungen
    – Chronische Erkrankungen
    – Erkrankungen des Urogenitaltraktes
  • Medikamente / Drogen
    – Exzessiver Alkoholkonsum
    – Schlafmittel, Sedativa
    – Sonstige Drogen
    – Diuretika

Ursachen aus Sicht der TCM

  • Schwäche des „Mingmen“ Tor der Vitalität (Nieren Yang)
  • Herz-Qi-Mangel
  • Leber-Qi-Stagnation
  • Qi- und Blutmangel
  • Häufig haben diese Patientinnen
    – eine vererbte Nieren-Essenzschwäche
    – eine erworbene Yang-Schwäche oder
    – chronische Erkrankungen

Behandlung mit TCM

  • Wärmen des Mingmen -> Tor der Vitalität und des Nieren-Yang
    – Akupunktur
    – Moxa-Anwendungen
    – Tuina, Schröpfen

7) Wechseljahrbeschwerden

Für die meisten Frauen bedeuten die Wechseljahre weit mehr als nur die Zeit der körperlichen Veränderung. Auch auf der seelischen und mentalen Ebene finden Veränderungen statt. Diese Phase im Leben der Frau geht oft auch mit Trennung und Abschied einher. Aber auch mit Neubeginn und Paradigmenwechsel.

Ursachen aus schulmedizinischer Sicht

  • Hormonelle Veränderungen
    – Nachlassende Progesteronbildung mit relativem Östrogenüberschuss
    – Östrogenabfall

Schulmedizinische Therapie

  • Hormonersatztherapie

Ursachen aus Sicht der TCM

Nach dem 7-Jahres–Rhythmus der Frau befindet sie sich jetzt im 7 x 7 Jahreszyklus.
„Mit 7 x 7 Jahren ist der Ren Mai geleert und der Chong Mai geschwächt. Das Tian Gui ist aufgebraucht, daher versiegt die Menses. Die Frau bekommt keine Kinder mehr.“ (Huang Di Nei Jing Suwen, Kapitel 1)

Das heißt, dass sich ab dem 49 Lebensjahr die vitalen Substanzen – Jing (Essenz), Qi (Energie), Blut sowie Yin und Yang – allmählich verringern. Es kommt außerdem zu einer Umkehr von Qi und Blut. Wurde vor den Wechseljahren das Blut Richtung Uterus geleitet ändert sich nun die Fließrichtung und das Blut und die Essenz werden zum Herzen geschickt, um den Shen (Geist) zu nähren. Hierdurch entsteht eine veränderte Physiologie der Frau, die der Auslöser für Ihre Beschwerden sein kann.

Klimakterische Beschwerden können sein

  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • Nachtschweiß
  • Trockene Schleimhäute
  • Stimmungsschwankungen, Depression
  • Erschöpfung
  • Tinnitus
  • Migräne
  • Reizbarkeit
  • Bluthochdruck
  • Osteoporose

Menopausale Frauen lassen sich in 2 Haupttypen einteilen:

  1. Yang-Typ
    – aktiv, schlank, Trockenheit, Unruhe, Hitzewallungen
  2. Yin-Typ
    – Gewichtszunahme, Feuchtigkeitsretention, Ödeme, Nachtschweiß

Es gibt jedoch auch Mischtypen. Je nach individuellem Dysharmoniemuster wie z. B.

  • Yin-Mangel mit austeigendem Leber-Feuer,
  • Abnahme der Nieren-Essenz,
  • Milzschwäche mit Feuchtigkeit und Schleim

bestehen die Therapieformen in

  • Yin nähren
  • aufsteigendes Feuer ausleiten und löschen
  • Mitte stärken
  • Feuchtigkeit ausleiten
  • Nieren-Essenz stärken
  • Shen (Geist) befrieden

mit den bewährten Methoden der TCM

  • Akupunktur
  • Kräuterheilkunde
  • Tuina, Schröpfen
  • Qi-Gong
  • Yang Sheng-Lebenspflege

Der Lebenszyklus der Frau laut TCM

Jahreszahl dominierendes Organ
7Höchststand der Nierenenergie und bleibendes GebissNiere
14Geschlechtsreife ist erreicht. Beginn der Menstruation ist erreicht.Milz
21Weisheitszähne kommen durch, Empfängnisbereitschaft ist hoch.Leber
28Höhepunkt der Weiblichkeit ist erreicht. Muskeln und Knochen sehr stark.Niere
35Frau beginnt zu welken. Gefäße und Meridiane verlieren an Elastizität, erste Falten können sich zeigen.Milz
42Nieren-Essenz hat sich vermindert. Haare beginnen dünner zu werden. Beginn der Prämenopause.Leber
49Himmelswasser – Tian Gui – das für die Fruchbarkeit verantwortlich ist, erlischt. Yin nimmt ab.Niere
56Menopause, HormonumstellungMilz
56 bis 63Leber
63 bis 70Niere

Allgemeine Tipps um das Qi (Energie) im Körper aufzubauen:

  • Essen Sie Kraftsuppen mit Kürbis, Karotten, Sellerie, Wurzelgemüse, Lauch, evtl. auch mit Knochen und lassen Sie diese für mehrere Stunden kochen. Vermeiden Sie Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte und Mikrowelle.
  • Essen Sie so oft wie möglich warme Mahlzeiten – vor allem am Tagesbeginn, wenn die Energie der Milz am höchsten ist. Trinken Sie warmes Wasser.
  • Verwenden Sie frische Nahrungsmittel, je nach Saison und kochen, kochen, kochen!
  • Haben Sie Geduld und lieben Sie Ihren Körper!